Polaroid Revival – Mehr als nur ein Retro Hype?

Von Redaktion

Stellen Sie sich vor, Apple oder Amazon würden in 10, 15 oder 20 Jahren komplett von der Bildfläche verschwinden. Zu abwegig um wahr zu sein? Das haben schon ganz Andere gedacht! Nur um von dynamischen Marktentwicklungen hinfort gespült zu werden. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür liefert der Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie. Ein technischer Durchbruch, der die gesamte um die Fotografie gewachsene Verwertungsbranche auf den Kopf stellte. Teils seit Jahrzehnten enorm erfolgreiche Unternehmen, wie Polaroid oder Kodak, wurden überrollt. Doch gegen jede Wahrscheinlichkeit ist Polaroid, mit seinen patentierten Sofortbildkameras, wiederauferstanden.

„Too big to fail“ ist ein Mythos

Die Dinosaurier waren für viele Jahrmillionen die alles dominierende Tierart auf diesem Planeten. Unter ihnen die gewaltigen Langhals-Dinosaurier (Sauropoden), die einige der größten Landlebewesen hervorbrachten und das anatomisch/physiologisch Mögliche ausdehnten. Ihren Riesenwuchs verdankten sie ihrer Spezialisierung, die ihnen erlaubte, Nischen abzugrasen, an die sonst kein anderer Pflanzenfresser herankam. Doch als sich urplötzlich ihr Habitat zum Schlechteren veränderte, wurde ihre riesenhafte Größe zu ihrem Todesurteil. Ihre Überspezialisierung, die sie so emporwachsen ließ, wurde ihnen zum Verhängnis. Ebenso muss es den bis dahin gigantischen und scheinbar unumstößlichen Konzernen gegangen sein, die sich um die analoge Fotografie etablieren konnten. Sie hatten einen gewachsenen Markt klar unter sich aufgeteilt. Bis er verschwand. Plötzlich waren Marken mit globalem Wiedererkennungswert zu Dinosauriern geworden. Unter ihnen: Polaroid.

Was bedingte den Aufstieg von Polaroid?

Polaroid erlangte weltweite Bekanntheit durch die Erfindung und Patentierung der Sofortbildkamera. Ehedem mussten die Bilder extern entwickelt werden, ehe man das fertige Foto in den Händen hielt. Und das ging nur, wenn man die technische Sachkenntnis und eine Rotlichtkammer hatte. Wer also selber kein echter Fotografie Enthusiast war (oder zumindest einen kannte), der musste entsprechende Dienstleistungen in Kauf nehmen, die nicht unbedingt immer billig waren. Dadurch waren Fotos buchstäblich eher was für die „Feiertage“. Genau deswegen sind die meisten Fotos älteren Semesters fast immer an irgendeinen Anlass gebunden. Ein Fest, eine Hochzeit, Urlaubsfotos …. es brauchte schon etwas Besonderes, um überhaupt zu fotografieren. Bis die Sofortbildkamera kam und Fotografie alltagstauglicher machte.

Ein Niedergang voller Ironie

Bei der Sofortbildkamera von Polaroid wurde das Bild direkt in der Kamera hergestellt. Kurz nach dem der Auslöser betätigt wurde, kam ein quadratisches Foto zum Vorschein, das sich vor den Augen des Nutzers selbst entwickelte. Der quadratische Formfaktor war dabei den Dimensionen der Sofortbildkamera geschuldet. Zwar waren diese Bilder nicht so gestochen scharf wie die konventionell entwickelten Bilder. Aber so zeitnah über ein Bild zu verfügen, ohne auf einen Dienstleister angewiesen zu sein, öffnete die Fotografie für zahlreiche Nutzer, die vorher die Kosten oder den Aufwand scheuten. Damit profitierte Polaroid von einer Haltung, die der Firma später ironischerweise zum Verhängnis werden sollte. Denn als die digitale Fotografie kam, war der Weg zum verfügbaren Bild so kurz wie möglich geworden. Und plötzlich war Polaroid die umständliche Variante. Insbesondere weil man dort, obwohl man durchaus eigene Digitalkameras anbot, hartnäckig am analogen Output festhielt. Nur wollte den keiner mehr …. bis jetzt!

Welchen Nerv trifft Polaroid heute?

Kann es in Zeiten der Nutzer-generierten Bilderflut überraschen, dass seit 2016 plötzlich wieder Polaroids auf Seiten wie Alza und Co. angeboten werden? Nicht wirklich! Denn gerade weil sich die Entwicklung – weg vom analogen Foto, hin zum digitalen Bild – so schnell abgespielt hat, kennen die Menschen heute beide Welten. Die des „echten“ Fotos und die des Bilds auf dem Handy. Doch wie kann sich daraus dieses Revival erklären?

  • Fotos haben eine Bedeutung! Sie sind noch eine echte (!) Momentaufnahme, bei der nicht zig Versuche unternommen werden, bis das schönste Selfie gewinnt.
  • Dadurch sind Fotos authentisch.
  • Fotos verschwinden nicht, sobald die Kamera kaputt geht. Digitalbilder sind immer an Wohl und Wehe des Datenträgers gebunden.
  • Fotos sind Erinnerungsstücke zum Anfassen.

Die Wiederauferstehung von Polaroid macht also durchaus Sinn, da sie eine sehr zeitgemäße Form der Rückbesinnung bedient. Sie bietet uns das traditionelle Foto im angesagten Retro-Look, kommt dabei aber unseren digital verwöhnten Nutzergewohnheiten zumindest ein Stück weit entgegen. Da sagt man doch gerne mal: „Cheese!“

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